John Cameron

 

Position: Trainer
Geburtstag:

13. April 1872

Geburtsort: Ayr (Schottland)

Stationen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Als Spieler  
 - 1895 Ayr Parkhouse  
1895 - 1896 Queens Park FC  
1896 - 1898 Everton FC  
1898 - 1907 Tottenham Hotspur FC  
     
  Als Trainer  
1899 - 1907 Tottenham Hotspur FC  
- 1914 Dresdner Sportclub  
1918 - 1919 Ayr United  

 

Der bewegende Episode vom "Weihnachtsfrieden" ist eine vielfach erzählte Geschichte, die die völkerverständigende Kraft des Fußballs heraufbeschwört. Denn am 24. Dezember 1914 verbrüderten sich deutsche und britische Soldaten spontan an der Westfront und legten die Waffen nieder um gemeinsam Fußball zu spielen. Zunächst sollen die Schützengräben mit Weihnachtsbäumen geschmückt worden sein, ehe weihnachtliches Liedgut angestimmt wurde und das Eis zwischen Briten und Deutschen brach. Zahlreiche Briefe überliefern die Ereignisse. Der deutsche Leutnant Johannes Niemann schrieb: "Plötzlich brachte ein Schotte einen Fußball an, und es entwickelte sich ein regelrechtes Fußballspiel mit hingelegten Mützen als Toren. Zwar erreichte so manche Flanke nicht ihr Ziel, der hartgefrorene Acker ließ ein richtiges Spiel eigentlich nicht zu. Aber alle Akteure und auch die Zuschauer waren erfüllt von friedlicher sportlicher Gemeinsamkeit."

 

Eine weniger bekannte Geschichte ereignete sich am 02. Mai 1915. Dieser Sonntag markiert ein besonderes Datum der Fußballgeschichte. Sechs Monate nach den Ereignissen des "Weihnachtsfriedens" führte John Cameron, eine der bedeutendsten Figuren der Geschichte Tottenham Hotspurs, im Internierungslager Ruhleben in Spandau eine Weltauswahl als Kapitän gegen eine Auswahl von englischen Ex-Profis ins Feld. Auf englischer Seite trug John Brearley die Kapitänsbinde. Brearley spielte früher mit Cameron bei Everton zusammen in einer Mannschaft. Die vom Schotten angeführte Mannschaft konnte das erste Spiel mit 4:3 für sich entscheiden. Im Rückspiel revanchierten sich die Ex-Profis allerdings deutlich mit 4:0. Diese beiden Fußballspiele stellen einen Ausschnitt des selbstverwalteten Lagerlebens dar, das die Deutschen den internierten Zivilisten gemäß Genfer Konvention ermöglichen mussten. Das Lager Ruhleben nutzte das Gelände einer Trabrennbahn. Es wurden vertreter verschiedenster gesellschaftlicher Schichten inhaftiert. Bspw. die Gäste von Reisedampfern, die gerade deutschen Häfen angelaufen hatten. Das Lager verfügte über eine eigene Lagerpresse, eine eigene Polizei und sogar eine eigene Fußball-Lagerliga. Fußball war bei weitem nicht das einzige Sportangebot Außerdem wurde Essen angebaut und in einer Kantine zubereitet und an die Gefangenen verteilt, die sich so geistig und physisch über Wasser hielten und in einer Gesellschaft en miniature den Weltkrieg überlebten. 

 

Wer war dieser John Cameron und wie kam er nach Ruhleben? John Cameron war ein gebildeter und intelligenter Mann, der seine Umwelt vielfach prägte. Bspw. im Februar 1898: Als Stürmer des Everton FC wird er auf der Gründungsversammlung der Association Footballer's Union, der ersten Fußballergewerkschaft, in Liverpool zum Vorsitzenden gewählt. Nachdem er in Everton zum Vollprofi aufsteigen musste, wechselte er in den Süden nach London zu Tottenham Hotspur. Im Vergleich zum englischen Norden und den Midlands fußballerisches Niemandsland und mit keiner Mannschaft in der ersten Liga vertreten. Dort schoß er nicht nur fleißig Tore, sondern wurde nach nur einem Jahr als neuer Trainer vorgestellt. Die Spurs waren kein Spitzenteam und hatten den Non-League-Status inne. Dennoch erreichten die Mannen von und um Cameron 1901 das Finale des FA-Cups. 110.000 ZuschauerInnen säumten die Traversen in Bolton als die Spurs Sheffield United ein 2:2-(0:2)-Unentschieden abtrotzten. Coach Cameron hatte in der Halbzeit reagiert und die Taktik umgestellt, schließlich trifft Stürmer Cameron sogar selbst zum umjubelten Ausgleich. Im Wiederholungsspiel siegten überraschend die Spurs und gewannen als erste Mannschaft, die nicht in die obersten Liga spielte sowie als erste Mannschaft aus dem Süden, den FA-Cup. 1907 verließ Cameron die englische Hauptstadt. Doch der Höhenflug hielt an und die Spurs stiegen erstmals in die oberste Spielklasse auf. Bis heute wird Cameron dafür als "foundation stone" und einer der "first true giants" verehrt.

 

Der Abschied aus London kam nicht überraschend. Zunächst hatte er sich langsam aus dem aktiven Geschäft zurück gezogen und kickte wieder als Amateur-Fußballer. Schließlich wollte er sich mehr auf seine journalistische Tätigkeit fokussieren. 1908 vollendete er das Buch "Association Football - and How to Play it." Ein Meilenstein der Fachliteratur zur Fußballtaktik. Wann genau Cameron wieder das Fußballfieber packte und er statt darüber zu berichten, wieder selbst invovliert sein wollte, ist bisher nicht bekannt. Gut möglich, dass ihm Dresden mit seiner großen englischprachigem Community und als Fußballentwicklungsland gerade recht kamen. Hier wird er schließlich der erste hauptamtliche Trainer überhaupt beim Dresdner SC. Im August 1914 wird er im Anschluß an die Britische Kriegserklärung an das Deutsche Reich, wie alle Staatsbürgerinnen der feindlichen Entente-Mächte, interniert. Zusammen mit 5.500 anderen Inhaftierten wird er nach Spandau gebracht. Sein "Handbook of the Ruhleben Football Association" erzählt die Saison 1915 im Internierungslager nach. 1918 wird er nochmals als Trainer in seiner Geburtstadt aktiv, ehe er sich erneut und diesmal endgültig aus der Innenperspektive des Fußballs zurück zieht und sich gänzlich seiner journalistischen Tätigkeit widmet.

 

Es stellt sich als die spannende Frage, was John Cameron in die königliche Residenzstadt verschlug und zu welchem Zeitpunkt. Spekulation muss bleiben, ob Cameron den DSC mit seinem Wissen bereits eher zum deutschen Spitzenclub hätte formen können, wäre ihm nicht der Weltkrieg dazwischen gekommen. Diesen Job übernahm später der Fußball-Missionar Jimmy Hogan, ein weiterer Britte in mohnroten Diensten, der die schottische Fußballphilosophie aufs europäische Festland und nach Dresden brachte und dort Größen wie Richard Hofmann zum Dresdner SC lotste sowie den Grundstein für Helmut Schöns Entwicklung zum Nationalspieler legte, indem er ihn als Schüler für den DSC begeistern konnte, um ihn dort zu fördern und zu fordern.

 

Quellen:

Programmheft zum Spiel Tottenham Hotspur - Manchester City

- http://www.tottenhamhotspur.com/news/john-cameron-020515/

 

Petition zur Aufnahme John Camerons in die Scottish Hall of Fame

- http://www.indiaspurs.com/blog/ht-32-john-cameron

 

Artikel zum Weihnachtsfrieden mit weiteren Zitaten von Leutnant Johannes Niemann

- https://www.tlz.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Als-die-Waffen-schwiegen-Der-Weihnachtsfrieden-von-1914-637205306

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