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18

Apr

2014

Heute vor 105 Jahren...

Quelle: www.dfb.de
Quelle: www.dfb.de

Heute vor 105 Jahren fand das erste Finale um den Kronpinzenpokal statt, das die Auswahl des Mitteldeutschen Ballspiel-Verbandes für sich entscheiden konnte. Mit dabei waren die beiden Dresdner Richard Grilling und Leopold Richter. Als Trophäe wurde der vom deutschen Kronprinzen Wilhelm von Preußen gestiftete, rechts abgeildete Pokal überreicht. Ihn ziert die Inschrift: "Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen stiftete im Jahre 1908 diesen Pokal als Wanderpreis für Fußball-Wettspiele zwischen den repräsentativen Mannschaften der Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes". Die Sportbegeisterung des Kronprinzen und besonders seine Vorliebe für den Fußballsport, halfen dabei enorm, der bis dato verpöhnten "englischen Krankheit" und "Fußlümmelei" zunächst in Militär und anschließend der gesamten Gesellschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Weil es die Bestimmungen des Versailler Vertrags der Weimarer Republik untersagten, ein größeres Heer als 115.000 Mann zu unterhalten, mussten andere Lösung zur körperlichen Instandhaltung der wehrfähigen Bevölkerung gefunden werden. Da sich der Fußball bereits vor dem Ersten Weltkrieg im Deutschen Militär großer Beliebtheit erfreute, erlebte der Fußballsport einen enormen Boom.  

Die deutsche Monarchie hingegen war 1918 am Ende. Der Pokal wurde in Bundespokal umbenannt und erst 1943 kriegsbedingt eingestellt, wobei er auch in den Jahren 1916 und 1917, während des Ersten Weltkriegs, nicht ausgetragen wurde. Bis 1943 änderte er noch zweimal seinen Namen. Als die restaurativen Kräfte in Deutschland ausreichend Einfluss gewonnen hatten und gemeinsam mit den Konservativen die Macht an den Kanzlerkandidaten der Nationalsozialisten übertrugen, wurde der Pokal nach der "Gleichschaltung" in Adolf-Hitler-Pokal umbenannt. Unter diesem Namen wurde der Wettbewerb jedoch nur 1933 ausgetragen. Anschließed trug er den Namen Reichsbundpokal, in dem sich die Mannschaften der neugeschaffenen Gaue gegenüberstanden.

 

Ein sportbegeisterter Kronprinz:

Berlin, Wilhelm beim Tennismatch. Bundesarchiv, Bild 102-07899 / CC-BY-SA
Berlin, Wilhelm beim Tennismatch. Bundesarchiv, Bild 102-07899 / CC-BY-SA
Kaiser Wilhelm II. (Mitte), Kronprinz Wilhelm von Preußen (links) und Wilhelm Prinz von Preußen im Exil. Bundesarchiv, Bild 102-01280 / CC-BY-SA
Kaiser Wilhelm II. (Mitte), Kronprinz Wilhelm von Preußen (links) und Wilhelm Prinz von Preußen im Exil. Bundesarchiv, Bild 102-01280 / CC-BY-SA
Avus 1932, "Der deutsche Ex-Kronprinz begrüsst freundschaftlich den Engländer Campbell, den schnellsten Mann der Welt." Bundesarchiv, Bild 102-13506 / CC-BY-SA
Avus 1932, "Der deutsche Ex-Kronprinz begrüsst freundschaftlich den Engländer Campbell, den schnellsten Mann der Welt." Bundesarchiv, Bild 102-13506 / CC-BY-SA

 

Der Kronprinzenpokal 1908/09

 

Die erste Spielzeit des Pokals wurde am 01. November 1908 mit zwei Spielen eröffnet. Auf dem Eintracht-Platz an der Helmstedter Straße in Braunschweig standen sich die Auswahlen Mittel- und Westdeutschlands gegenüber. Mitteldeutschland siegte dank zweier Tore von Laessig mit 2:0 vor 1.000 Zuschauern. Am selben Tag siegte auf dem Wacker-Platz Debrahof in Leipzig Nord- über Süddeutschland mit 5:2 vor 1.200 Zuschauern. Zu den Torschützen gehörte unter anderem der legendäre Adolf Jäger, Namensgeber des Stadions des Altonaer FC von 1893. Im letzten Viertelfinalspiel siegte ein paar Wochen später Nordost- über Südostdeutschland in Berlin mit 1:0. Das ungerade Teilnehmefeld komplettierte Berlin.

Im Halbfinale gewann am 21. Februar 1909 Berlin mit 4:1 bei Norddeutschland, während Nordostdeutschland mit 0:8 in Leipzig bei Mitteldeutschland baden ging. 3.000 bzw. 1.500 Menschen wollten die Partien sehen. Damit standen die Mannschaften für das Finale am 19. April 1909, welches auf dem Viktoria-Platz in Berlin-Mariendorf ausgetragen wurde, fest. Die Verbände schickten folgende Aufstellungen ins Spiel:

 

Berlin:

Alfred Mills (BFC Preussen)

 

Otto Hantschik (BTuFC Union 1892), Herbert Hirth (BFC Hertha 1892)

 

Ernst Poetsch (Union), Willi Moeck (BTuFC Viktoria 1889), Paul Hunder (Viktoria)

 

Willi Ruscher (Hertha), Otto Dumke (Viktoria), Willi Worpitzky (Viktoria), Helmut Röpnack (Viktoria), Paul Herbst (BFC Concordia 1895)

 

Mitteldeutschland:

Hans Riso (Wacker Leipzig)

 

Paul Dietze (Wacker), Walter Hempel (Sportfreunde Leipzig)

 

Willy Krauß (Britannia Leipzig), Camillo Ugi (VfB Leipzig), Richard Grilling (VfB)

 

Erich Albrecht (Wacker), Leopold Richter (VfB), Edgar Blüher (Leipziger BC 1893), Kurt Dittel (Leipziger BC), Adalbert Friedrich (VfB)

 

Sammelbildreihe "Nationalspieler"
Sammelbildreihe "Nationalspieler"

Auf den ersten Blick eine sehr leipziglastige Vertretung der mitteldeutschen Vereine. Und das bleibt sie auch beim zweiten, aber wenn man genauer hinsieht, kann man feststelle, dass auch Dresden bzw. der Dresdner SC indirekt vertreten ist. Mit Leopold Richter, Richard Grilling und Edgar Blüher standen ehemalige DSCer im Aufgebot, die noch vor wenigen Jahren mit der Fahne auf der Brust um die Deutsche Meisterschaft kämpften. Der gerade zum Nationalspieler avancierte Richter (3:3 gegen Ungarn am 4. April 1909) war erst 1906 aufgrund eines Studiums zum VfB Leipzig gewechselt, nachdem er gemeinsam mit seinen Brüdern Franz Richter und Reinhard Richter im Trikot der Rothemden 1905 bis ins Halbfinale der Deutschen Meisterschat vorgedrungen war, welches trotz zweier Tore von Reinhard Richter mit 2:5 gegen Union Berlin verloren ging. Eine schwere Verletzung setzte seiner Karriere ein jähes Ende und machte eine mögliche Rückkehr zum Sportclub und seinen Brüdern umöglich.

In der mitteldeutschen Auswahl war außerdem der legendäre Camillo Ugi vertreten. Ugi lief während seines Militärdienstes in Dresden für den Dresdner SC auf. Ugi ist mit 15 Länderspieleinsätzen Rekordnationalspieler der Vorkriegszeit. Außerdem führte er das Nationalteam neun mal als Kapitän ins Feld. 

An der Seite von Camillo Ugi findet man Richard Grilling, der wie Leo Richter in der Aufstellung des DSC stand, als 1905 zunächst die Mitteldeutsche Meisterschaft gewonnen wurde und die Rothemden anschließend mit einem 5:3-Sieg über Viktoria Hamburg ins Finale um die Deutsche Meisterschaft einzogen, wo man Union Berlin unterlag. Zum Sieg im mitteldeutschen Wettbewerb hatte ebenfalls der nun mittlerweile wieder für seinen Stammverein kickende Edger Blüher beigetragen, er trug für zwei Jahre das Trikot des Dresdner SC. Er kam zuvor vom und ging nachher zurück zum VfB Leipzig. Innerhalb der Leipziger und Dresdner Fußballvereine herrschte ein reger Wechsel. Blüher sollte auch dafür sorgen, dass Berlin diesmal nicht, entgegen aller Expertenmeinungen, als Sieger vom Platz ging.

Für zwei Mark Eintritt für Vollzahler und 50 Pfennig für Ermäßigte, konnte man dem ersten Pokalfinale Berlins beiwohnen. 3.000 Zuschauer wollten einen Sieg ihrer berliner Auswahl sehen. Doch bereits nach 15 Minuten erhielten die Hoffnungen einen herben Rückschlag. Edgar Blüher hatte Mitteldeutschland in Führung geschossen. Dann passierte eine ganze Weile nichts zählbares, ehe erneut Blüher in der 75. Minute auf 0:2 für die Gäste erhöhte. Als Röpnack per Elfmeter für die Reichshauptstadt verkürzte, keimte kurzzeitg nochmal Hoffnung auf, doch spätestens nachdem 1:3, wieder einmal war Blüher zur Stelle, musste man einsehen, dass man heute der Auswahl des VMBV nicht gewachsen war. Mitteldeutschland stämmte erstmals den Henkelpott in die Höhe und erhob bei der anschließenden Siegesfeier das Glas auf Kronprinz und Kaiser. Und es sollte nicht der letzte Sieg im Wettbewerb bleiben. 1921 wurde Westdeutschland in Leipzig mit 4:0 vom Platz gefegt, 1927 gelang ein erneuter Triumph in Altona gegen Norddeutschland. War 1921 mit Koch vom SV Brandenburg nur ein Vertreter eines Dresdner Vereins dabei, partizipierten 1927 mit Kurt Geißler von Guts Muts und Hugo Mantel sowie Rudolf Berthold vom DSC gleich drei Dresdner. Außerdem mit am Start: ein gewisser Richard Hofmann von Meerane 07. 1931 hatte sich das Blatt komplett gewendet. Mitteldeutschland erreichte das letzte mal das Finale. Vor 30.000 Zuschauern im Ostragehege unterlag eine mitteldeutsche Mannschaft, die mit zehn von elf Spielern fast komplett aus Sport-Club-Spielern bestand, mit 3:4 nach Verlängerung gegen Süddeutschland.

Kronprinzenpokalsieger 1909: Mitteldeutschland. V.l.: Leopold Richter, Camillo Ugi, Paul Dietze, Kurt Dittel, Edgar Blüher, Erich Albrecht, Walter Hempel, Richard Grilling, Adalbert Friedrich, Willy Krauß; vorn: Hans Riso. Quelle: Wikipedia.
Kronprinzenpokalsieger 1909: Mitteldeutschland. V.l.: Leopold Richter, Camillo Ugi, Paul Dietze, Kurt Dittel, Edgar Blüher, Erich Albrecht, Walter Hempel, Richard Grilling, Adalbert Friedrich, Willy Krauß; vorn: Hans Riso. Quelle: Wikipedia.

1949/50 organisierte der DFB nochmals einen sogenannten Länderpokal in der Tradition des Kronprinzenpokal. 22 Länderauswahlmannschaften nahmen an diese Bewerb teil. Unter anderem auch das von Helmut Schön trainerte Sachsen sowie weitere Mannschaften aus dem Einflußgebiet der SED. Bereits im folgenden Jahr durften aber keine Vertragsspieler mehr teilnehmen, was den Wettbewerb komplett entwertete, wozu ebenfalls beitrug, dass die DDR-Abstellungen nicht mehr teilnahmen. Zwischen 1996 und 2001 war der Wettbewerb nur noch für u19-Mannschaften offen, anschließend wurde allerdings die Altersgrenze wieder auf 21 hochgesetzt. 1969/70 versuchte der DFB den Pokal nach altem Vorbild wieder zu beleben, begrub das Vorhaben jedoch schnell. Bereits nach der Vorrunde wurde es aufgrund geringem Medien- und Zuschauerinteresse wieder abgebrochen.

 

Quellen: Kick it like Kronprinz (19.04.2014)

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