Sa

16

Mär

2013

Um mitteldeutsche Meisterehren

http://www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de/
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Am heutigen Samstag sollte eigentlich stattfinden, was der Volksmund ein Derby nennt. Aber nicht so eine Begegnung, der man schon seit Wochen entgegegen fiebert, sich im Vorfeld an glanzvollen Triumphen labt und die schmachvollen Niederlagen beiseite schiebt. Nein, es wäre ein Heimspiel gegen die Post aus Cotta gewesen. Eine Partie die man so schnell wie möglich hinter sich bringen will.

Vollkommen das Gegenteil von dem, was die Duelle mit den Johannstädtern von Guts Muts in den 20ern und 30ern gewesen sein müssen. Guts Muts gegen den Sport-Club, die Lilien gegen die Mohnroten. Das Aufeinandertreffen der Crème de la Crème des Dresdner Fußballs, das die Massen mobilisierte und elektrisierte. Ausverkauftes Haus, man spricht von bis zu 30.000 Zuschauern und dem Sieger winkte der begehrte Titel des Mitteldeutschen Pokalsiegers, der zur Teilnahme am Ringen um die Deutsche Fußballmeisterschaft berechtigte.

Am 04. März 1928 wurde Realität, was heute wie ein Märchen klingt. Guts Muts hatte sich souverän gegen seine Gegner durchgesetzt. Ein 11:1 beim Zittauer BC, 5:0 gegen den Planitzer SC auf dem Platz von Dresdensia, 3:1 bei der SpVgg Meerane 07 von und mit Richard Hofmann. Auf dem Ringplatz schossen die Lilien Preußen Langensalza mit 12:1 ab, aber im Halbfinale wartete ein richtiger Brocken. Die Titelverteidiger vom Chemnitzer BC, außerdem seit 1922 mittelsächischer Serienmeister. Doch auch in Chemnitz siegten die Lilien, ihrerseits Mitteldeutscher Meister von 1923, mit 2:1.

 

Der Dresdner SC hatte zunächst ein Freilos, siegte dann auf dem Weg ins Finale gegen Komet Magdeburg (6:0, bei Komet), Turu Weißenfels (4:1, Schützenhof Trachau), den VfB Coburg 07 (3:1, in Erfurt) und schließlich den SV Fortuna 1902 Leipzig (1:0, Radrennbahn Reick).

Der Dresdner Anzeiger vom 04. März 1928 holt weit aus: "Nahezu neun Monate muß man zurückgehen, um die ersten Anfänge für den heutigen Endkampf festzustellen. Im Juni des vergangenen Jahres begannen in Mitteldeutschland die ersten Spiele um die Pokalmeisterschaft, um die sich im ganzen Gebiete des VMBV. gegen 600 Mannschaften bewarben. In den einzelnen Gauen wurde sondiert, und im Oktober waren es 55 Mannschaften, die entgültig den Kampf um den Titel aufnahmen.

 

Im Gebiete des Gaues Ostsachsen wurde in drei Gruppen gespielt, und als Gruppensieger gingen die Mannschaften von Spielvereinigung, Sportklub und Guts Muts aus den Kämpfen hervor. Während die Spielvereinigung in der Vorschlußrunde ausschied, setzten sich Guts Muts und Sportklub gegen alle Gegner durch. In den Spielen des Gaues trat der Sportklub in der ersten Runde gegen den Strehlener Ballspielklub an, der 9:3 unterlag. Der SC. 04-Freital mußte als weiterer Gegner eine 7:0-Niederlage einstecken, aber im dritten Treffen gelang den Rotjacken gegen den Sportverein 06 in der regulären Spielzeit nur ein unentschiedenes Ergebnis von 1:1. In der Verlängerung konnte der Sportklub wohl noch zwei Tore erzielen, das Treffen wurde jedoch wegen der Dunkelheit abgerochen. Im Wiederholungsspiel unterlag dann 06 glatt 5:0. Mit diesem Siege war der Sportklub Gruppensieger. In den Spielen innerhalb des Verbandes hatte der Sportklub am ersten Spieltag das Freilos, so daß er kampflos in die zweite Runde kam, in der er gegen Komet Magdeburg antreten musste." Kommen wir gleich zu Guts Muts, da wir die Ergebnisse ja schon kennen.

 

"Guts Muts ging wenig überzeugend in den Kampf, denn im ersten Spiele innerhalb des Gaues wurde mit Mühe ein Sieg errungen. Die in der zweiten Klasse spielende Mannschaft von Südwest macht den Lilien allerhand zu schaffen, und nur knapp mit 6:5 wurde der Sieg erkämpft. Der zweite Gang fiel viel sicherer an die Lilien, denn die in der 1b-Klasse tätige Elf des Radeberger Sportklubs mußte auf eigenem Boden ein Dutzend Tore anerkennen, während er es selbst zu keinem einzigen Treffer brachte. Der Gruppensieg endlich wurde durch Bezwingung der Sportgesellschaft 1893 mit 4:0 sichergestellt."

Die Berichterstattungen der Dresdner Nachrichten, sowohl im Vorfeld, als auch im Nachgang, zeugen davon, dass die Rivalität im Dresdner Fußball damals eine andere gewesen ist, eine, wie ich sie mir heute wünschen würde. Die DN vom 04. März 1928 schreiben auf Seite 19: "Der 15. Januar dieses Jahres brachte dem Dresdner Fußballsport einen Höhepunkt. Noch war die Hoffnung, der mitteldeutsche Verbandspokal möge eine 'Dresdner Angelegenheit' werden, keine Gewissheit. Die vielen Tausend jedoch, die an diesem Tage den Dresdner Sport-Club auf dem Reicker Platze gegen die Leipziger Fortuna gewinnen sahen, werden mit ihren Gedanken sicher in Chemnitz geweilt haben, wo der andere Dresdner Pokalverein, Guts Muts, in hartem Strang mit dem C.B.C. um die letzte Anwartschaft auf den mitteldeutschen Pokaltitel kämpfte. Als aber dann die Kunde eintraf, das auch Guts Muts knapp gesiegt habe, brach spontan der Jubel hervor. Schon damals hate Dresden den Pokal errungen, zwei seiner Vereine würden sich den Endkampf liefern, es stand fest, das entweder ein schwarz-rotes oder ein blau-weißes Band die Trophäe schmücken würde. Aber für Dresden war der Titel schon damals errungen. Die Spannung ließ nicht nach."

Bereits in der Ostsächsichen Meisterschaft waren beide Vereine aufeinander getroffen. Beide Begegnungen konnte der DSC für sich entscheiden. 4:1 im Hinspiel und 1:0 im Rückspiel lauteten die Ergebnisse. "Ob nun die schwarz-roten oder die blau-weißen Farben siegen, das mögen Siegeswille, Tüchtigkeit und Glück entscheiden! Die unterlegene Mannschaft darf sich bestimmt auch dessen rühmen, dazu beigetragen zu haben, daß über den Vereinsfarben und über dem Wimpel des Pokalmeisters der Wimpel mit den Dresdner schwarz-gelben Stadtfarben schon fest flattert, und daß sie das sportliche Ansehen Dresdens und des Gaues Ostsachsen schon durch die Tatsache, daß das Endspiel zwischen zwei Dresdner Vereinen stattfindet, womit über das Gebiet des mitteldeutschen Verbands rühmte; so haben wir nach dem Spiel dem Sieger und auch dem Verlierer zu danken!" (DN, 04.03.1928, Nr. 109, S. 19)

Als Unterhaltung vor dem Spiel fand ein sogenanntes Pushballspiel statt. Was das sein soll? Das erklären uns die Dresdner Nachrichten vom 05. März 1928: "Pushball ist bei uns eine noch zu wenig bekannte Sportart, als daß die Massen an dieser ersten Vorführung den allgemein körperbildenden Wert erkannt hätten. So nahm man daß Ringen der beiden Mannschaften, der des D. S. C. und des Lehrersportvereins als lustigen Zeitvertreib. Und doch gehört zur Bewegung des großen, 1,60 Meter hohen Balles eine ganz bestimmte Technik und Taktik der Parteien. D. S. C. war unbedingt die körperlich stärkere Mannschaft und hatte in den 20 Minuten Spielzeit stets die Oberhand. Bis zum Ende der ersten zehn Minuten gelang es ihm, den Ball dreimal über die Seitenlinie und einmal über die Torline zu bringen. Nach der Pause wurden die Lehrer zäher und spielten auch taktisch geschickter, so daß D. S. C. nur noch einmal die Sitenlinie überschreiten konnte. D. S. C. gewannt mit 10:0 Punkten."

"Moment aus dem erstmalig in Dresden vorgeführten Pushballspiel" aus Dresdner Nachrichten vom 6. März 1928, Nr. 112, Seite 10)
"Moment aus dem erstmalig in Dresden vorgeführten Pushballspiel" aus Dresdner Nachrichten vom 6. März 1928, Nr. 112, Seite 10)

Zur weiteren Illustration dieses Vorspiels ein Video aus dem englischen Wikipedia-Artikel, dass bewegte Bilder einer Pushballpartie von 1927 zeigt, welche in Volendam in den Niederlanden ausgetragen wurde:

Zurück zum Pokalendspiel: "Beide Mannschaften haben sich durch ihre Spiele in den letzten Jahren immer der größten Gunst der interessierten Kreise erfreut, und heute dürfte auf dem Platze in der Neustadt wohl kaum eine Person fehlen, die sonst auf den Dresdner Spielplätzen als Zuschauer zu finden ist. Es ist mit einem Massenbesuch des Spiels zu rechnen, wie er in Dresden im letzten Jahre kaum zu erreichen war." (DA, 04.03.) Und es kamen Massenweise Zuschauer, die Angaben schwanken hier zwischen 20.000 und 30.000. Dazu die DN: Man hatte schwarzrote und blauweiße Fähnchen massenweise verteilt, die den Zuschauerrahmen ein buntes Bild gaben. Man schwang sie bei den Torerfolgen begeistert. Eines aber muss doch anerkannt werden, daß das Publikum ganz parteilos Einzelleistungen mit großem Beifall auf beiden Seiten belohnte." (DN, 05.03.)

 

Wie erwartet hatte die Partie reges Interesse in der Bevölkerung hervorgerufen. Doch nicht nur Dresdner, sondern auch Enthusiasten aus Zwickau, Chemnitz, Glauchau, Meerane, Leipzig, sowie der DFB-Trainer Otto Nerz und VMBV-Trainer Jimmy Hogan waren an die Bärnsdorfer Straße gepilgert um der Partie beizuwohnen. Der Anzeiger schrieb nach der Partie mit voller Begeisterung: "Bereits in der zweiten Nachmittagsstunde ergoß sich nach dem Platze hinter dem Bahndamm der Dresden-Leipziger Strecke ein endloser Menschenstrom. Motorradfahrer, Radfahrer und Autos belebten das Bild, und auf dem Platze drängte sich von Minute zu Minute eine immer größere Menschenmenge. Als der Schiedsrichter Schlegel um 3 Uhr den Ball freigab, mögen es über 20 000 Zuschauer gewesen sein, die, mit Fähnchen in den Farben der beiden Klubs bewaffnet, den Platz umsäumten. Noch niemals hat ein Kampf zweier Mannschaften vom Orte ein derartiges Interesse erweckt, und wohl nicht einer unter den vielen Tausenden von Zuschauern wird unbefriedigt den Platz verlassen haben." (DA, 05.03.1928)

Arthur Buschkamp, Greiling Sammelbild der Reihe "Fußballsport"
Arthur Buschkamp, Greiling Sammelbild der Reihe "Fußballsport"

Auch zu den Mannschaften kann uns der Anzeiger einiges verraten: "Als ausgesprochener Favorit geht unstreitig die Mannschaft des Sportklubs in das Spiel. Erst am vergangenen Sonntag beendete die Elf ihre diesjährigen Gaumeisterschaftsspiele, die dem DSC. zum dritten Mal in ununterbrochener Reihe den Gaumeistertitel brachten. In allen Reihen stehen Spieler, die heute im mitteldeutschen Gebiete zu den Besten auf ihrem Posten zählen. In der Hintermannschaft hat Richter im Tor immer ein großes Spiel gezeigt; daß nur 17 Tore in 18 Punktspielen seine Pfosten passierten ist hierfür der Beweis. Vor ihm stehen mit Gloxin und Langer zwei Verteidiger, auf die er sich verlassen kann. Gloxin hat in vielen Spielen seine große Klasse gezeigt, und Langer vertritt Herzog, der noch wegen einer Verletzung pausieren muß, sicher vollwertig. Die Läuferreihe, das Bollwerk der Rotjacken, dürfte heute als eine der besten in einer deutschen Vereinsmannschaft zu bezeichnen sein. In den letzten Spielen hat lediglich Mantel verschiedentlich nicht ganz das gezeigt, was er wirklich kann. In der Stürmerreihe hat sich Buschkamp zu dem Spieler entwickelt, der für den Sportklub der beste Torschütze ist. Er ist es, der durch unverhoffte Schüsse des Gegners Tor bedroht und auch im letzten Treffen gegen Guts Muts und auch gegen Fortuna Leipzig das einzige Tor des Tages schoß. Gedlich als Sturmführer ist wohl immer gefährlich, aber seine Unentschlossenheit im Schuß machte schon manchen gefährlichen Angriff zunichte. [...] Alles in allem spielt die Mannschaft sicher den technisch besten Fußball in Dresden, und das dürfte die beste Gewähr dafür sein, daß doch schließlich in den Rockjacken der Pokalmeister 1928/29 zu erblicken." Obwohl sich der Journalist hier offensichtlich verschrieben hat, wird der Pokalmeister der Saison 1927/28 gesucht.

 

Aber nun zur Mannschaft der Lilien:

"Die Mannschaft von Guts Muts brennt darauf, den Sportklub, den sie schon in manchem Kampfe bezwang, allerdings in den letzten Jahren nicht, endlich wieder einmal zu besiegen. Die Elf spielt ein anderes System als der Sportklub. Sie steht auf ein schärferes Tempo, so daß das Spiel nie einseitig ist. In der Hintermannschaft wird heute wieder Kubias in der Partie sein. Seine Verletzung ist vollständig ausgeheilt, so daß er sein ganze[s] Können entwickeln kann. Neben ihm steht wie immer der unverwüstliche Geißler, den man heute zu einem der besten deutschen Verteidiger rechnen kann, und im Tor Ziebig, der in den letzten Spielen eine recht gute Figur machte und oft manchen fast sicheren Torerfolg der Gegner im letzten Augenblick zunichte machte. Die Läuferreihe führt wieder Schmiedel. Der immer über dem Durchschnitt stehende John wird der rechten Seite des Sportklubs das Spiel nicht leicht machen, und wenn Kretschmar seinen guten Tag hat, dann wird auch der linke Flügel der Rotjacken keinen leichten Stand haben. Im Angriff erscheint mit Reißmann der gefährlichste Mann. In den letzten Spielen hat sich aber erwiesen, daß jetzt neben ihm Spieler stehen, die auch sehr wohl in der Lage sind, Tore zu erzielen. Der neue rechte Flügelstürmer Stohl hat sich mit Reißmann ganz gut eingespielt[...]. Als Sturmführer wird Zetsche mit dem ihm eigenen Impuls tätig sein. Wenn ihm auch verschiedentlich der Überlick fehlte, so ist er doch vor dem Tor immer recht gefährlich. Weidel als Linksverbinder hat sich noch nicht wieder in die Form auf diesem Posten hineingespielt, in der er früher ein äußerst gefährlicher Stürmer war. Der Zusammenhang in dieser Mannschaft wird gewiß nicht so vorhanden sein, wie beim Sportklub, und das wird vielleicht den Ausschlag für den Kampf geben, dessen Sieg der besseren Mannschaft beschieden sein möge. "(Dresdner Anzeiger vom 04. März 1928, Jahrgang 198, Nr. 109, Seite 13 und 14)

 

04. März 1928

Finale Mitteldeutscher Verbandspokal:

 

 Dresdner SV Guts Muts

 

Liebig

 

Geißler  -  Kubias

 

Schmiedel  -  Stolzenwald  -  John

 

Stohl  -  Reißmann  -  Zetsche  -  Weidel  -  Kretschmar

 

 

1:2 (0:0)


Haftmann  -  Stössel  -  Gedlich  -  Buschkamp  -  Schrempel

 

Mantel  -  Köhler  -  Berthold

 

Gloxin  -  Langer

 

Richter

 

Dresdner Sport-Club

 

Tore: 0:1 Berthold (58.), 1:1 Reißmann (63.), 1:2 Berthold (69.)

 

Zuschauer: 22.000 (Ringplatz)

Überschrift aus dem Dresdner Anzeiger, 05.03.)
Überschrift aus dem Dresdner Anzeiger, 05.03.)

Die Dresdner Nachrichten titeln am 05. März 1928:  "Dresdner Sport-Club Mitteldeutscher Pokalmeister - Nach hartem Kampfe errag sich D. S. C. den Titel eines Mitteldeutschen Pokalmeisters durch einen Sieg von 2:1 gegen Guts Muts. Eckenverhältnis: 5:3. Torschützen Berthold (2) und Reißmann (Elfmeter).

 

Eine alte Wahrheit spricht davon, daß hochgespannte Erwartungen nicht immer erfüllt würden, und man hat maches entscheidende Spiel im Fußball erlebt, daß von beiden Parteien regelrecht 'ausgepunktet' wurde und die gesunde Zweckmäßigkeit im Sport auf Kosten andere Dinge bis zum Maximum trieb. [...] Wenn aber in einem Spiele voll Rasse und Temperament, in ehrlichem Kampfe und in unabhängigem Siegeswillen von beiden Teilen gekämpft wurde, dann können Fußballkämpfe zu hinreißenden und dramatischen Erlebnissen werden, die einen Sieg doppelt verschönen und auch den Unterlegenen den deprimierenden Eindruck der Niederlage im Vollgefühl, ebenfalls eine große Leistung vollbracht zu haben, vergessen lassen. Daß traf in vollem Maße auf den Endkampf um den Mitteldeutschen Verbandspokal zwischen dem D. S. C. und Guts Muts zu. Keiner von den 22.000 Zuschauern dürfte den Ring-Platz unzufrieden verlassen haben." (DN, 05.03)

 

Im Anfang war die Nervosität. [...] Doch sie verflog schnell bei beiden Parteien, und unbeugsamer Siegeswille drückte sich beiderseits, wenn auch verschieden, aus. Guts Muts wollte in einem rassigen, draufgängerischen Anfangsspurt gewinnen, der die Mannschaft in der Gesamtleistung überragend zeigte. Er münzte sich weiter in ungestümen Angriffen aus, die daß D. S. C.-Tor weit mehr in Gefahr brachten. Dieser Anfangsspurt zeigte deutlich, zu welch großen Leistungen die Johannstädter befähigt sind. Um so höher ist eine andere Sonderleistung zu bewerten, die die vorbildlich schwungvollen Angriffe und die überaus gefährlichen Torschüsse von Guts Muts ergebnislos verlaufen ließ: die der D. S. C.-Hintermannschaft. Über jedes Lob erhaben hielt Richter, Gloxin lieferte ein gleich großes Spiel, und auch Langer sah man in Hochform. [...] Ihr [gemeint ist Guts Muts] begeistertes und mutiges Angriffsspiel im Sturm war bewunderungswürdig. Stolzenwald als Mittelläufer bewährte sich vollauf durch schnelle und wechselnde Flügelbedienung, John und Schmiedel wehrten sich und bauten auch gut auf. Auch das Schlußdreieck war allen Anforderungen gewachsen. Geißler arbeitete vorbildlich, wenn auch manchmal hart, Kubias war sehr gut, und Liebig kann man an den beiden Erfolgen ebensowenig Schuld beimessen, wie Richter an dem von Reißmann eingeschossenen Elfmeterball. Den blitzschnellen Starts der Johannstädter, den ungestümen Angriffen ihrer Stürmer setzte der D. S. C. Nerven und wiederum Nerven entgegen. In unbeirrbaren Abwehrwillen ließ man die Angriffswogen abebben. So kam es, daß die D. S. C.-Läuferreihe nach außen bis vor der Pause unauffälliger arbeitete und dennoch das Riesenverdienst mitbuchen kann, daß keine Treffer zustande kamen.

[...]

Ganz deutlich schieden sich die erste und zweite Halbzeit. Umstellungen erfolgten, sie führten auf seiten des D. S. C. Berthold auf Rechtsverbindung und Stössel auf den des linken Läuferpostens."(DN, 05.03.1928, Nr. 110, Seite 7)

"Bereits die ersten Minuten der zweiten Halbzeit zeigten, daß sich Guts Muts doch etwas verausgabt hatte. Der Sportklub holte Berthold in den Angriff, eine Maßnahme, die sich wieder einmal bewährte. Es entstand nunmehr in dieser Reihe ein viel größerer Druck, dem sich die Hintermannschaft der Lilien auf die Dauer nicht ganz gewachsen zeigte. Wenn auch die Überlegenheit der Rotjacken nicht größer wurde als die der Lilien in der ersten Halbzeit, so wurden doch die Angriffe immer gefährlicher." (DA, 05.03.)

Der Spielverlauf (aus den DN):

In der dritten Minute rettete Geißler nach einem Schuß von Haftmann, dann Mantel auf der Gegenseite, und gleich darauf Richter.

 

Nachdem in der 15. Minute Köhler einen Strafstoß von der 16-Meter-Linie knapp verschossen hatte, mußte Richter Schüsse von Weidel und Stohl abwehren.

 

Erst in der 21. Minute musste Liebig ernstlich Eingreifen und schon hatte die Hintermannschaft des DSC wieder voll zu tun, Richter hielt einen trefflichen Kopfball von Zetsche und den Nachschuß, faustete zwei scharfe Schüsse von Reißmann und Weidel weg und einen weiteren wiederum von Zetzsche.

Zetzsche (G.M.) ist durchgebrochen und bringt einen kernigen Schuß an. Im Hintergrunde Köhler D.S.C. Greiling Serie Fußballmomente, Bild 1.
Zetzsche (G.M.) ist durchgebrochen und bringt einen kernigen Schuß an. Im Hintergrunde Köhler D.S.C. Greiling Serie Fußballmomente, Bild 1.

Die 30. Minute war ganz kritisch, Richter wehrte einen Schuß von Kretzschmer ab, aber den Nachschuß von Zetsche konnte Gloxin erst auf der Torlinie vereiteln.

 

Halbzeit 0:0, Eckenverhältnis 2:1.

 

Die 52. Minute sah die dritte Ecke für den DSC: Haftmann schoß scharf, zwei Minuten später feuerte Schrempel eine Bombe ab und drei Minuten später noch einmal, aber auch Liebig bleibt sicher.

 

Erst in der 58. Minute fiel das erste Tor. Gedlich legte auf Berthold ab der Dresdner SC ging in Führung. 1:0. Großer Jubel bei den DSC.-Anhängern.

Berthold mit dem Tor, Buschkamp in Jubelpose! Von links: Kubias (G.M.), Buschkamp (D.S.C.), Berthold (D.S.C.), Geißler (G.M.), Liebig (G.M.), Schmiedel (G.M.) Bild: Phot. Schröter (Leipzig-Anger)
Berthold mit dem Tor, Buschkamp in Jubelpose! Von links: Kubias (G.M.), Buschkamp (D.S.C.), Berthold (D.S.C.), Geißler (G.M.), Liebig (G.M.), Schmiedel (G.M.) Bild: Phot. Schröter (Leipzig-Anger)

In der 63. Minute wurde Gloxin im Straufraum angeschossen. Der Schiedsrichter diktiert Elfmeterball. Reißmann schoß unhaltbar an Richter vorbei. Heller Jubel im Blau-Weißen-Lager. 1:1

 

Vier Minuten später hatte Kretzschmer eine große Chance, doch kaum zwei Meter vor Richter greifen Gloxin und Langer noch ein. Bei einem Gegenangriff konnte Geißler einen Schuß Schrempels nur noch zur Ecke abwehren. Schrempel gab den Eckball genau herein. Gedlich wollte schießen, der Ball kam zu Berthold, der auf kurze Entfernung daß siegbringende Tor einschießt. In der 69. Minute! 2:1

 

Der DSC spielte nun auf Zeit, ohne jedoch seinerseits das Angreifen zu vergessen. Das Eckenverhältnis wurde auf 5:3 geschraubt.  

 

In der 81. Minute gab es das erste Abseits durch Gedlich, kurz darauf das zweite und letzte durch Schrempel. Guts Muts griff in den letzten Minuten wiederrum an, doch waren die Fernschüsse ungefährlich.

 

Schlußpfiff! D. S. C. war Sieger und man jubelte dem neuen Pokalmeister zu und trug letzten Endes Berthold und Richter auf den Schultern in den Umkleideraum. Dort überreichte der Spielausschußvorsitzende der Mannschaft mit lobender Anerkennung den wertvollen Goldpokal.

 

Haftmann gegen John und Geißler von Guts Muts. Bild: Curt Kasper (Dresden-Neustadt).
Haftmann gegen John und Geißler von Guts Muts. Bild: Curt Kasper (Dresden-Neustadt).

"Der Kampf war aus, und Mitteldeutschland hatte seinen Pokalmeister. Noch sind die Hoffnungen von Guts Muts, an der deutschen Meisterschaft teilzunehmen, nicht endgültig begraben. Sollte sich der Sportclub auch in den Kämpfen um die mitteldeutsche Meisterschaft erfolgreich durchsetzen, dann hätte Guts Muts gegen die unterlegene Mannschaft des Meisterschaftsendspiels noch einmal anzutreten, und der Sieger würde der zweite Vertreter Mitteldeutschlands werden.

 

Reichstrainer Nerz sprach sich hochbefriedigt über die guten Leistungen der Mannschaften aus. Wie auch alle Zuschauer, so war auch er über das gute Spiel der Lilien in der ersten Halbzeit verwundert. Vor allem hatte ihm in dieser Zeit Reißmann gefallen, den er trotz manchner repräsentativen Spiele auch nicht in so einer großen Form gesehen hatte. Aber auch die übrigen Spieler beider Mannschaften sind nach seiner Ansicht beste Klasse." (Dresdner Anzeiger vom 05. März 1928, 198. Jahrgang, Nr. 110, Seite 7.)

 

Die Dresdner Nachrichten beklagten abschließend die schlechten Rahmen-bedingungen und forderten ein neues Stadion für Dresden: "Der Ring-Platz mit seinen Schwächen als Spielfeld und als Unterbringungsmöglichkeit für große Zuschauermassen bewies auch am Sonntag, daß wir in Dresden eine neutrale Großkampfstätte brauchen. Denn er war wiederum zu klein. Wenn es trotzdem zu ernsten Zwischenfällen nicht kam, so mag das für eine fleißige Vorarbeit zeugen." (Dresdner Nachrichten vom 05. März 1928, Nr. 110, S.7)

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